LESER-BRIEF: Christliche Nächstenliebe beim Niederdorlaer Kirchenrat Fehlanzeige!?

Von einem lieben Menschen Abschied zu nehmen, der plötzlich aus unserem Leben gerissen wurde, ist nicht leicht, es macht uns traurig und es zeigt gleichzeitig die Endlichkeit unseres Daseins. Was aber für immer bleibt, ist die Erinnerung an einen großherzigen, liebevollen Vater, Ehemann, Großvater, Bruder, Onkel und Freund.

Seneca sagte einmal: „Erinnerungen, die unser Herz berühren, gehen niemals verloren, denn das Wichtigste, was ein Mensch uns hinterlassen kann, ist ein Lächeln, was uns an ihn erinnert.“

Wolfgang Zeng setzte sich als langjähriger Bürgermeister und Mitglied vieler Vereine stets für die Sorgen und Probleme seiner Mitbürger und Freunde ein.

Auch die Kirche gehörte für ihn immer zum Dorf. Viele Menschen im Ort leben christliche Werte, auch ohne Mitglied dieser Glaubens-gemeinschaft zu sein. So auch mein Vater.

Er wurde getauft, konformiert und heiratete kirchlich. Die damaligen Umstände zwangen ihn zum Kirchenaustritt. Nichtsdestotrotz wurde er 2017 zur Feier der goldenen Konfirmation eingeladen, an der er auch teilnahm.

Um so unverständlicher ist es für mich und die mehr als 350 Trauergäste, dass der Gemeindekirchenrat die Nutzung der Kirche für eine weltliche Trauerfeier auf unsere Anfrage hin vehement ablehnte.

Alle Verdienste, die mein Vater zum Wohle der Gemeinde und auch der Kirche erworben hatte, zählten plötzlich nicht mehr.

Nur durch die Hartnäckigkeit des Bestattungsinstitutes Jakobi, wurde es uns wenigstens durch die Nutzung der Trauerhalle ermöglicht, die Trauerfeier nicht „räumlich zerreißen“ zu müssen, was für uns als Angehörige in einer solchen Situation meiner Meinung nach unzumutbar ist.

Ein weiterer Punkt, der mich wütend macht, ist die Tatsache, dass es älteren und gesundheitlich eingeschränkten Familienangehörigen und Wegbegleitern, durch diese Art und Weise unmöglich gemacht wurde, von ihm Abschied zu nehmen.

Lieber Gemeindekirchenrat, in Zeiten sinkender Mitgliederzahlen wünsche ich mir als Akt der Nächstenliebe, ein Gotteshaus für weltliche Trauerfeiern zu öffnen, um allen Menschen, egal, ob gläubig oder nicht, ob jung oder alt, ob gesund oder krank die Möglichkeit zu geben, in der Kirche, die gleichzeitig Schutz vor der Witterung bietet, von einem Verstorbenen Abschied nehmen zu dürfen.

Ich möchte jeden Einzelnen, die darüber entscheiden, bitten, in sich zu gehen und bei künftigen Anfragen, das Gespräch zu suchen, anstatt solche Anfragen von vornherein abzulehnen.

Ein erster Schritt ist getan, denn die Niederdorlaer Trauerhalle wurde inzwischen renoviert und wieder in einen würdigen Zustand gebracht.

Ich stimme Albert Schweitzer zu, der als bekennender Christ sagte:

„Das schönste Denkmal, das ein Mensch bekommen kann, steht in den Herzen seiner Mitmenschen.“

Möge mein Vater in Frieden ruhen.

Doreen Schubert (geb. Zeng)