Rat des eisernen Paares: Immer fest zusammenhalten

Am Silvestertag vor 65 Jahren gaben sich Rudi und Ilse Weiß in Oberdorla das Ja-Wort. Gefeiert wird im Frühjahr

Oberdorla. „Wir haben immer fest zusammengehalten. In guten und in schlechten Zeiten. Sonst hält eine Ehe auch nicht 65 Jahre lang.“

So begründet Rudi Weiß (86) am Silvestertag, genau 65 Jahre nach der Hochzeit, das Erfolgsrezept. Damals, 1950, hatten die Weiß‘ das Gasthaus „Zum Goldenen Löwen“ in Oberdorla für sich reserviert. Der damals 21-jährige Sohn, Rudi, führte nämlich seine Ilse (22) aus dem Nachbarort Langula – dort hatte man sich auch kennengelernt – zum Traualtar. Anschließend stieg schließlich die Hochzeitsfeier mit fast 100 Gästen. Nach zwei Jahren und vier Jahren Verlobungszeit hatten sie den Hochzeitstermin auf Silvester gelegt. „Wir haben uns geliebt, und wir lieben uns immer noch. Dann hält’s auch“, meint die 87-jährige Jubilarin.

Nach vier Jahrzehnten zurück in die Vogtei

Schon kurz nach der Hochzeitsfeier wurde es ernst. Und es gab viel Arbeit in dem elterlichen Betrieb mit Gastwirtschaft, Kolonialwarenladen, Bäckerei und Fuhrbetrieb, erinnert sich Rudi Weiß. „Wir mussten viel arbeiten.“ Er hatte nach dem plötzlichen Tod des Vaters die Geschäfte zu führen. Lange machte dies die Gesundheit nicht mit: 1955 zog das Paar dann nach Mühlhausen. Während der Oberdorlaer zunächst in der Zigarrenfabrik Eisenhardt & Co. am Alten Blobach arbeitete und sich dort auch zum Meister qualifizierte, verdiente seine Frau ihre Brötchen als Verkäuferin. Von 1975 bis 1990 war Rudi Weiß in der Stadtverwaltung Mühlhausen angestellt, erst im Bauamt, dann als, wie er sagt, persönlicher Referent der Bürgermeister Dutschmann und Neukirch. In Mühlhausen, am Alten Blobach, wurde es ihnen irgendwann zu laut zum Leben. Als im elterlichen Terrain in Oberdorla ein für den evangelischen Kindergarten gepachtetes Gebäude wieder frei geworden war, ging es nach vier Jahrzehnten 1995 zurück in die Vogtei. In jenes Haus, das einst Rudi Weiß‘ Vater als Kegelbahn errichtet hat. Das wurde zum Wohnhaus um- und ausgebaut. Dass sie bis ins hohe Alter gesund geblieben sind, ist für sie das größte Glück. Noch immer brauchen sie im Haushalt keine Hilfe, noch immer setzen sich beide, auch Ilse Weiß, ans Steuer ihres Autos, um zum Einkaufen oder zum Arzt nach Mühlhausen zu fahren. Gefeiert wird das Ehejubiläum dann im Frühjahr. Eine Feier auf den Tag kam für sie wegen eines persönlichen Schicksalsschlages nicht in Frage. Dann wird auch der Sohn zurück in der Heimat erwartet, der in der Nähe von Berlin lebt.

Claudia Bachmann / 01.01.16 / TA