Kammerforst ist bald über eine neu gebaute Brücke zu erreichen

Kammerforst (Unstrut-Hainich Kreis). Im Dezember soll Kammerforst wieder uneingeschränkt erreichbar sein. Die alte Brücke vor dem Ort hatte sich als vermindert tragfähig erwiesen und war nur noch einspurig befahrbar. (TA)

Es gab bereits Auswirkungen auf die Ver- und Entsorgung in Kammerforst. Um das Problem aus der Welt zu schaffen, wird seit Ende August eine neue Brücke gebaut.Ein Glücksfall. Denn die Möglichkeiten des Unstrut-Hainich-Kreises, in sein Straßennetz zu investieren, sind angesichts seiner Finanzlage außerordentlich eingeschränkt.


Besondere Dringlichkeit und günstige Umstände haben offenbar dazu geführt, dass es wenigstens eine große Baustelle in diesem Jahr auf einer Kreisstraße gibt: den Brückenneubau für die Ortszufahrt nach Kammerforst. Das mit knapp 375.000 Euro veranschlagte Bauvorhaben auf der Kreisstraße 204 (Langula - Kammerforst) wird zu 75 Prozent vom Straßenbauamt Nordthüringen bezahlt. Den verbleibenden Eigenanteil, den der Landkreis hätte aufbringen müssen (knapp 95.000 Euro), darf von dem Geld genommen werden, das der Freistaat Thüringen dem Landkreis zur Sicherung Thüringer Haushalte und als Investitionspauschale überwiesen hat. Das waren insgesamt knapp 900.000 Euro (unsere Zeitung berichtete). Die Umstände geboten das. Denn die einzige Zufahrt nach Kammerforst führt über jene Brücke über den Gelbrieder Bach.


Sie war 1840 errichtet worden und hatte 1928 einen Anbau erhalten. Nach einer Zustandsprüfung 2012 war die Brücke auf eine Tragfähigkeit mit 24 Tonnen eingeschränkt worden. Die Fahrbahn wurde eingeengt, so dass die Brücke nur noch einspurig befahren werden konnte. Zu diesen Sofortmaßnahmen gab es die Empfehlung (!), dass die Brücke durch einen Neubau ersetzt werden müsse.


Die einzige Zufahrt zum Dorf am Hainich


Dass es sich dabei um die einzige Zufahrt in das Dorf Kammerforst handelt, machte sie Sache dringend. Denn die ersten Folgen der eingeschränkt befahrbaren Brücke wurden spürbar. So hatte der Abfallwirtschaftsbetrieb seine Entsorgungstour umstellen müssen. Kammerforst musste wegen der eingeschränkten Tragfähigkeit der Brücke nun als erster Ort auf der Tour, also mit leerem Fahrzeug, angesteuert werden und nicht mehr als letzter wie bis dahin. Weitere Auswirkungen hätten gedroht. Davon geht Marion Sy vom Landratsamt aus. Die für den Straßenbau zuständige Fachdienstleiterin für Verkehr- und Fahrerlaubniswesen nannte den Busverkehr zum Kammerforster Musikfest als Beispiel.


Ende August 2014 begannen die Bauarbeiten mit dem Anlegen einer Umfahrungsstraße. Andere Umleitungsmöglichkeiten waren aufgrund der schlechten Feldwege und der noch anzulegenden Ausweichbuchten rasch ad acta gelegt worden. Die jetzt angelegte Umfahrung führt einspurig und ampelgeregelt unmittelbar um die Baustelle herum. Mittlerweile ist die alte Brücke abgerissen, und es wurde mit dem Aufbau der neuen begonnen. Der Gelbrieder Bach wird künftig durch ein 20 Meter langes Wellstahlrohr unter der Brücke hindurchgeleitet. Die zweispurige Fahrbahnbreite erreicht sechs Meter, die Brücke wird eine Tragfähigkeit von 30 Tonnen aufweisen. Schöner Nebeneffekt. Die bisherige Streckenführung durch Senke und S-Kurve wird im Zuge des Neubaus entschärft. Die Fahrbahn wird etwas angehoben, die Doppelkurve begradigt.


Der Auftrag war Marion Sy zufolge nach öffentlicher Ausschreibung an die Mühlhäuser Firma Universalbau vergeben worden, die Brücke und Straße baut. "Im Moment liegen wir gut in der Zeit", heißt es von der zuständigen Fachdienstleiterin. Wenn das Wetter günstig bleibt, rechnet man mit einer Fertigstellung des Bauvorhabens in der 1. oder 2. Dezemberwoche.


Die Fachdienstleiterin verwies angesichts der angespannten Finanzlage des Landkreises auf das aufwendige Genehmigungsverfahren, das eine Zustimmung von Landesverwaltungsamt und vom staatlichen Beauftragten mit einschloss. Die dem Landkreis obliegende Pflicht zur Verkehrssicherung habe den Ausschlag gegeben.


Die Fachdienstleiterin hofft auf weitere solche günstigen Umstände. Denn die Prioritätenliste mit den dringlichsten Straßenbauangelegenheiten scheint doch recht lang. Ganz oben stände beispielsweise für 2015 die Heyeröder Landstraße, die vor allem am Schullandheim gemacht werden müsste. Die Fahrbahn dort ist eng und kurvenreich. In der Nähe der Thomasteiche existiert eine scharfe Kurve über eine Brücke. Das würde mit dazu gehören.


Frank Börner / 08.11.14 / TA