Gospel für die Orgel (TA)

Gospelmusik vom Feinsten erfüllte die Niederdorlaer Kirche. Der Salvation Choir aus Mihla war zu Gast. Die Sängerinnen, Sänger und Instrumentalisten boten klassischen Gospelgesang und afrikanische Lieder. Dazu interpretierten sie bekannte Popsongs und Filmmusik. Die Luft in der Kirche vibrierte. Der Funke sprang über auf das Publikum. Das Gotteshaus bebte vom Applaus. (Thüringer Allgemeine, 14.09.2014)

Gospel für die Orgel

Oft ergänzen sich Chor und ein oder mehrere Solisten. So wurde das Lied The Circle Of Life aus dem König der Löwen interpretiert zwischen dem Chor und quasi einem kleinen Chor. “Da geht einem das Herz auf” meinte Chorleiterin Ricarda Kappauf. Sicher blieb im Publikum kein Herz verschlossen. Alle klatschen mit und wurden berührt von der Energie des Gesangs.

Die Besucher des Konzerts wurden um Spenden gebeten für die Reparatur der alten Orgel.

Der Freundeskreis Alte Orgel hat ein Motto: Für Spenden soll was geboten werden. Das gelang wieder bestens. Die Musiker bekamen in der vollen Kirche stehenden Beifall. Vor der Zugabe und beim Ausmarsch.

Im Chor singen überwiegend junge Frauen zwischen 16 und 30 Jahren. Dazu kommen wenige Männer. Ein Schlagzeug, ein Keyboard, eine Gitarre und neu ein Kontrabass verstärken den Sound.“ Die Instrumentalisten sind wichtige Mitglieder”, erklärte die Chorleiterin.  Sie ist eine Kirchenmusikerin aus der Region um Mihla. “Wichtig ist, dass man Leute hat, die Spaß dran haben.” Und Spaß dran hat der Chor. Das war deutlich zu hören und zu sehen. Nur wenige Lieder wurden dirigiert. Die Musiker sangen frei, nie verkrampft, immer mit einem Lächeln.

Der Chor nutzte das gesamte Kirchenschiff für seinen Auftritt. In drei Reihen zogen die Sängerinnen und Sänger ein, aus der Krypta, von den Emporen, durch alle drei Gänge tanzten und sangen sie sich nach vorn.

Die Gruppe Toto brauchte viel Elektronik in ihrem Song Africa (I bless the rains down in Africa). Der Chor aus Mihla erzeugte die Klänge von Regen und Donner mit Händereiben, Fingerschnippsen, Schenkelklopfen und Aufstampfen. Dann der Gesang - Gänsehaut pur.

Der klassische Energie-Gospel feuerwerkte zwischen Solosängerin Katja Schwachheim und dem Chor. Der Gospel-Schwung, die Chor-Wucht, das typische Klatschen - wie in den Südstaaten der USA. “Dort suchten die schwarzen Sklaven Halt und Trost in ihrem Glauben und und ihrer Musik” erläuterte Christina Herzog die Wurzeln des Gospel-Gesangs.

“Das Singen macht uns Spaß. Das Üben ist aber sehr zeitintensiv. Oft fällt es schwer, sich freizuschaukeln für Proben und Auftritte”, gibt Katja Schwachheim zu. Der Chor tritt nicht oft auf, meist zu besonderen Gottesdiensten in Mihla, so zum Lichterfest. Viele Mitglieder wohnen nicht in Mihla, sie reisen an. Als Chor gibt es das Ensemble seit elf Jahren.

Wie bewegt das Publikum war, das zeigten zwei Reaktionen von Mitgliedern des Freundeskreises. Bernhard Ludwig brachte hervor: “Wenn die Worte fehlen, da lässt man Blumen sprechen.” Stumm verteilte er im Chor Rosen als Dankeschön. Eine Rose fehlte. Ein Sänger bekam keine. Dafür gab´s einen stummen Drücker von Doris Schulz.

Michael Zeng (Thüringer Allgemeine, 14.09.2014)