Neues aus der Geschichtswissenschaft

Das Kreisarchiv bot Weiterbildung für Ortschronisten und Heimatforscher des Kreises zum Thema Heimat und Erster Weltkrieg. Über zwanzig Ortschronisten und Heimatforscher trafen sich in der Oberdorlaer Probstmühle. (TA)

Der Historiker Dr. Justus Ulbricht von der Goethe-Schiller-Universität Jena informierte die Gäste von den aktuellen Ansätzen der Forschung zu den Themen Heimat und Erinnerungskultur an den Ersten Weltkrieg.

Ein Schwerpunkt der Diskussion war der Umgang mit den sogenannten Kriegerdenkmälern, also den Gedenktafeln und Denkmälern für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Der Referent ist sich sicher: In jedem Ort gibt es solch ein Denkmal oder eine Tafel in der Kirche oder beides.

„Ein Anliegen des Kreisarchivs ist, den Ortschronisten und Heimatforschern unseres Kreises Weiterbildungen zu bieten, die ihnen bei ihrer praktischen Tätigkeit helfen“, erklärte Regina Hornischer als Leiterin des Kreisarchivs des Unstrut-Hainich-Kreises. „Dazu haben wir gern ein Angebot des Thüringer Heimatbundes angenommen.“

Unterstützt wurde das Seminar auch vom Thüringer Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit sowie vom Bundesministerium des Innern und anderen Einrichtungen. „Schon zum zweiten Mal fanden wir in der Oberdorlaer Probstmühle einen besonderen Ort für unsere Veranstaltung für die Ortschronisten und Heimatforscher“, lobt die Leiterin des Kreisarchivs.

Für die Teilnehmer der Weiterbildung interessant war die Entwicklung des Heimatbegriffes in der Geschichte. So wurde das Heimweh ursprünglich wahrgenommen als eine Krankheit der Schweizer Söldner im Mittelalter. Bis 1900 wurde als Heimat nur der ländliche Raum angesehen. Erst allmählich setzte sich durch, was wir heute als Heimat empfinden. „Was Heimat ist, wird immer durch die Gesellschaft bestimmt“, fasste der Jenaer Historiker zusammen. Die Leiterin des Kreisarchivs fand wichtig, „die Geschichte auch mal unter anderen Aspekten zu sehen.“

Der Historiker Ulbricht hält nichts davon, Denkmäler abzureißen: „Wenn die weg sind, kann man nicht mehr damit umgehen.“ Erklärende Zusätze hält er aber für sinnvoll. Beim Einbinden von „Kriegerdenkmäler“ in Veranstaltungen rät er, immer zu beachten, wann, warum und vor welchem Hintergrund diese aufgestellt wurden. „Vielleicht sind die Reden oder Zeitungsmeldungen über die Errichtung des Denkmals noch erhalten.“

Außerdem empfiehlt der Historiker, immer die Symbolik der Darstellung und der Inschriften zu beachten. Für ihn bestimmt die Gesellschaft, ob gefallene Soldaten Krieger, Helden, Opfer oder gar Täter waren. Auch erkläre die Gesellschaft, welchen Sinn der Tod von Soldaten hat. „Solche Details sollten bei der Beschäftigung mit den Denkmälern ebenfalls berücksichtigt werden“, meint Ulbricht.

Zum Finden von Informationen und Quellen stehen die Bestände des Kreisarchivs bereit, erklärte Archivleiterin Regina Hornischer. Im Kreisarchiv befinden sich auch historische Akten vieler Gemeinden des Kreises.

Michael Zeng