Oberdorlaer Steinbruch hat die Region geprägt

Erhard Stiefel begeisterte mit seinem Vortrag über die jahrhundertealte Tradition, im Hainich Muschelkalk abzubauen. Im Publikum saßen 85 Leute.

Erhard Stiefel hält Vortrag über Steinbruch bei Oberdorla

Im Seebachgrund zwischen Oberdorla und Heyerode wird seit 150 Jahren der wertvolle Bodenschatz abgebaut. Erhard Stiefel war 46 Jahre lang dort beschäftigt, zuletzt als Traco-Geschäftsführer. Der Muschelkalk wurde in vielen Gebäuden sowohl in der Region als auch in imposanten Bauwerken in ganz Deutschland verwendet. So zum Beispiel sind Steine in der Göschwitzer Brücke bei Jena und am Reichsluftfahrtmuseum in Dresden verbaut worden. Ein weiteres spektakuläres Gebäude mit Vogteier Muschelkalk ist das Kaufhaus Wertheim in der Leipziger Straße in Berlin. Es wurde an der Wende zwischen 19. und 20. Jahrhundert gebaut und war mit einer Nutzfläche von 106 000 Quadratmetern eines der größten Kaufhäuser Europas. Die Firma Schilling übernahm den Abbau der Steine für den Bau des Kaufhauses. Dabei wurden auch die Steine gefördert für den Mittelturm der Mühlhäuser Marienkirche. Der 86,7 Meter hohe Turm wurde 1903 fertiggestellt.  

Erhard Stiefel gab in seinem Vortrag in Niederdorla einen Überblick über die Entwicklung des Abbaus. Anfang des vorigen Jahrhunderts wurden die tonnenschweren Blöcke noch auf Pferdefuhrwerken durch Mühlhausen transportiert. Dazu waren zwölf bis 16 Pferde notwendig. Die Straßenbahnen standen still, und die Menschen standen am Straßenrand und jubelten den hart arbeitenden Menschen und Tieren zu.

Obgleich die Arbeit sehr anstrengend war, konnten die Arbeiter „gutes Geld verdienen“, betonte Stiefel. Das kann der ehemalige Geschäftsführer auch für die Zeit vor seiner eigenen Tätigkeit bestätigen. Auch andere Gewerke verdienten an die Arbeiten im Steinbruch, wie die Versorger mit Lebensmitteln oder die Handwerksbetriebe für die Werkzeuge und Reparaturen der Maschinen. Im Laufe der Jahre wurden viele Vogteier zu Steinmetzen ausgebildet. In der Zeit des Ersten Weltkriegs wurde kein Muschelkalk abgebaut, nach dem ersten Weltkrieg nur wenig. Bekannt ist aus dieser Zeit der Bau der Trauerhalle in Oberdorla. In den 30er Jahren während der Zeit des Dritten Reiches hingegen gab es einen regelrechten Ansturm auf den Abbau von Natursteinen.

Vor und nach dem Zweiten Weltkrieges gewannen mehrere Natursteinfirmen Muschelkalk im Steinbruch. Zwei Langensalzaer Firmen, Nitsche und Schröder, wurden 1953 enteignet. Übrig blieben die Firma Weber aus Oberdorla und das Travertinwerk aus Langensalza.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Abbau wieder begonnen. Erst 1950 ruhten kurz die Arbeiten nach einem tödlichen Unfall. Nachdem eine Telefonleitung nach Heyerode gebaut worden war, durften die Arbeiten wieder aufgenommen werden. Jetzt war es möglich, schnelle Hilfe herbei zu holen.

Jahrzehntelang  wechselten die Hochs und Tiefs ständig ab. Erst Ende der 1990er Jahre ging es wieder steil nach oben, so dass pro Jahr 4000 Kubikmeter Muschelkalkstein und 200.000 Tonnen Schotter produziert wurden. Inzwischen jedoch hat sich der Abbau mehr auf die Schottergewinnung konzentriert, da immer größere Mengen an Abraum bewegt werden müssen. Muschelkalk wird aber weiter für die Restauration, der aus dem einheimischen Stein gebauten Bauwerke, gebraucht. Dass der Vogteier Muschelkalkabbau noch viele Jahre weitergehen könnte, ist sich Erhard Stiefel sicher.

Der größte Block aus dem Steinbruch wog 125 Tonnen und war für einen Brunnen in Bad Segeberg in Schleswig-Holstein bestimmt.

Der Oberdorlaer Heimatverein hat Erhard Stiefel eingeladen, seinen Vortrag im Herbst zu wiederholen.

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