Der Nahkauf in Niederdorla schließt zum 30. Juni

Eine Ära geht zu Ende. Ab dem 1. Juli 2017 wird es in Niederdorla kein Lebensmittelgeschäft mit Vollsortiment mehr geben. “Wir schließen”, sagt Stefanie “Steffi” Schill traurig. Sie leitet seit 23 Jahren den Nahkauf in Niederdorla. Viele Jahre lang teilte sie die Verantwortung mit Martina Stiefel, die sich vor einigen Jahren aus dem Arbeitsleben zurückzog.

Steffi Schill und ihren beiden Mitarbeiterinnen Elvira Muder und Roselinde Werneburg tut es unendlich leid um die älteren Leute in Niederdorla. “Nach Bekanntgabe der Schließung gab es Tränen”, erzählt Steffi Schill.

Als sie 1994 den Landen zusammen mit Martina Stiefel eröffnete, kamen über 70 Stammkunden fast täglich in den “Konsum” in der Hauptstraße 23. Zuletzt waren es noch etwa sieben meist ältere Menschen. Stammkunden sind für Steffi Schill Kundinnen und Kunden, die ihren kompletten Einkauf im Nahkauf getätigt haben, von Lebensmitteln bis zu Waren des täglichen Bedarfs. “Vom ersten bis zum letzten Tag haben wir ein Vollsortiment geboten”, sagt Steffi Schill mit Stolz. “Im ganzen Unstrut-Hainich-Kreis gibt es keinen Laden in der Größe, der eine solche Qualität geboten hat”, meint Eberhard, der Mann von Steffi.

Eine Stammkundin war Irmtraud Rohde. “Die Schließung tut mir in der Seele leid”, sagt sie. “Ich habe alles dort gekauft.” Die alte Dame traut sich nicht mehr, allein bis zum Großmarkt nach Oberdorla zu gehen. Sie gibt ihrer Tochter einen Einkaufszettel mit. “Aber es selber zu sehen, das ist was anderes.” Irmtraud Rohde hat gern im Nahkauf eingekauft. “Man trifft dort Leute und macht mal ein Schwätzchen.”

Genau das war auch einer anderen Stammkundin wichtig. Doris Ackermann, eine rüstige Dame, erzählt: “Ich hatte nur schöne Erlebnisse im Nahkauf.” Die Möglichkeit, sich zu unterhalten, hat Doris Ackermann viel bedeutet. “Für mich ist die Schließung ganz schlimm”, sagt sie. Sie und ihr Mann haben kein Auto und können nicht mal schnell nach Oberdorla oder nach Mühlhausen fahren. Der Nahkauf war für Doris Ackermann DIE Einkaufsstätte: “Ich habe versucht, dort alles zu kaufen, von Lebensmitteln bis zu Geschenken.” Ein bisschen Humor ist ihr aber doch geblieben. Wenn sie und ihr Mann nicht wussten, was sie kochen sollte, war der Ausweg: “Geh doch in den Konsum. Dort findest Du was.”

Das Team vom Nahkauf hatte auch irgendwie soziale Aufgaben. Die Kunden und die Verkäuferinnen kannten sich seit vielen Jahren. Alle waren Vogteier. Man half sich. Man tauschte Neuigkeiten aus. Sprach über Sorgen und Freuden. “Wir haben auch schon mal was hinterher getragen, wenn jemand was vergessen hatte,” erinnert sich Steffi Schill.

Mehrfach hat das Team vom Nahkauf versucht, das Angebot für Kunden interessant zu halten. Die Getränke-Ecke zu erweitern war eine Idee. Der Nahkauf hat auch reagiert, als Bäcker Böhm aufgehört hat. Dafür wurde Bäcker Henning voll integriert.

Die verschiedensten Neuerungen und Ideen haben die Anzahl derer, welche größere Einkäufe hätten tätigen können, leider nicht erhöht.

Es gab Kunden, die öfter mal ein oder zwei Stück gekauft haben. Für die Existenz des Ladens sind aber die Stammkunden wichtig. Wenn die Stammkunden fehlen, sinkt der Umsatz. Die Nebenkosten bleiben und steigen sogar, wenn der Umsatz sinkt. Die Kühlung muss ja trotzdem laufen und das Licht muss an sein im Laden. Versicherungen und Steuern weiter gezahlt werden.

“Wir haben im Team des Nahkaufs auch überlegt, das Sortiment zu verkleinern”, sagt Steffi Schill. Aber das hätte die übrigen Stammkunden auch vergrault. Stammkundin Doris Ackermann fasst das zusammen: “Wenn ich dann woanders einkaufen muss, kaufe ich dort gleich alles.”

Das Team des Nahkaufs hat sich Gedanken gemacht, wie eine Grundversorgung gesichert bleiben kann. Es gab Gespräche mit Bäcker Henning aus Heyerode. Der wird das Bäckereigeschäft in Niederdorla weiterführen. Neben den Backwaren wird es ein kleines Sortiment an Lebensmitteln geben sowie an Waren des täglichen Bedarfs. Und ein Schwätzchen wird wohl auch möglich sein.

Der Feierraum im ersten Stock des Konsum-Hauses wird natürlich weiter betrieben. Demnächst wird ein aktueller Flyer die Haushalte erreichen.

Michael Zeng