Möbelunternehmer Klaus Jaeger aus Oberdorla wird 85 (TA)

Oberdorla (Unstrut-Hainich-Kreis). Möbel Jaeger investierte 1 Million Euro in den Standort Oberdorla. Senior-Chef ist mit 85 noch regelmäßig in der Vogtei. / 22.11.14 / TA

Fast entschuldigend klingt es: Es geht nicht ganz so flott. Das Knie macht ein paar Probleme. Klaus Jaeger geht über den großen Parkplatz von "Möbel Jaeger" am Ortsrand von Oberdorla. Robby folgt mit ein paar Metern Abstand. Der Cockerspaniel gehört seit zwölf Jahren untrennbar zum Senior-Chef des Möbel-Unternehmens mit seinen Standorten in Witzenhausen, Göttingen und eben Oberdorla.
Klaus Jaeger wird am heutigen Samstag, dem 22. November, 85 Jahre alt. Knapp 70 Jahre arbeitet er im Familienunternehmen, das 1913 gegründet wurde. Ein Familienunternehmen, so sagt Klaus Jaeger, das kann nur erfolgreich laufen, wenn es in der Familie auch stimmt. Ein Glücksfall sei es bei ihm. "Ich habe schon viele kommen und gehen sehen." Seine Frau Margot habe wesentlichen Anteil am Erfolg des Unternehmens, ebenso seine Schwiegertochter Gül.


Früh musste Klaus Jaeger Verantwortung übernehmen, als der Vater 1950 starb. Da war er erst 21. Inzwischen trägt sein Sohn Bernd die Hauptlast.
Dennoch: Jeden Morgen drehe der Senior-Chef noch immer seine Runde durch das Haupthaus im hessischen Witzenhausen. Und auch nach Oberdorla kommt er regelmäßig. Allein, mit dem Auto.
Oberdorla ist die einzige Thüringer Filiale des Möbelunternehmens. Damals, Anfang der 1990er-Jahre, habe man sich, so sagt Klaus Jaeger, "breitschlagen lassen" und dort neu gebaut.


Hindernisse gab es einige zu überwinden


Hindernisse gab es in diesen Jahren einige zu überwinden: der Kampf war zu bestehen, sich überhaupt niederlassen zu dürfen, dann brannte, im Juli 1995, das Gebäude komplett nieder.
"Als wir vor den Flammen standen und den Arbeiten der Feuerwehr zusehen mussten, hat Klaus Jaeger einen Satz gesagt, der mir imponiert hat und im Gedächtnis haften blieb: Wir bauen das hier alles wieder auf."


So erinnert sich Niels Hitzner, der Hausleiter. Wie Hitzner sind 13 der 21 Mitarbeiter von Anbeginn dabei. Das stehe für die Philosophie des Hauses, das seine Kunden inzwischen nicht mehr allein im gesetzten Alter sieht, sondern auch bei den jungen Leuten, die sich zum ersten Mal einrichten.
Entsprechend wurde in diesem Jahr das Haus umgestaltet. Eine Million Euro nahm man dafür in die Hand. Einen "wahren Hype" habe es in den vergangenen Monaten im Verkauf von Einzelschränken und Polsterbetten gegeben.


"Wir wollen uns abheben als ein Haus der Markenmöbel, haben unsere Beleuchtung auf LED umgestellt, Studios geschaffen, die Küchenfläche verdoppelt und der Gaststätte zu einem neuen Erscheinungsbild verholfen", erläutert Hitzner.


Apropos Küche: Auf eben jener vergrößerten Fläche, so kann er sich vorstellen, sollen einmal Kochkurse veranstaltet werden.
Insgesamt zählt das Unternehmen an seinen drei Standorten 120 Mitarbeiter. Darunter immer auch Auszubildende. In Oberdorla sollen im kommenden Jahr junge Leute ihre Lehre beginnen. Dass es immer schwerer wird, guten Nachwuchs zu gewinnen, weiß auch Klaus Jaeger. "Wer bei uns als Verkäufer beginnen will, muss zum Erscheinungsbild unseres Hauses passen, rhetorisch gewandt sein, mit dem Computer umgehen und auch im Kopf gut rechnen können." Kritisch sieht er, dass immer mehr junge Leute zum Abitur streben. Dem Land gingen die Handwerker verloren.
Dass einer seiner sechs Enkel einmal die Familientradition des Unternehmens fortsetzen wird, daran zweifelt Klaus Jaeger nicht. Er ist sich sogar schon recht sicher, wer es sein wird.


Claudia Bachmann / 22.11.14 / TA