Junger Unternehmer investiert in 200 Jahre alte Marktmühle in Oberdorla

Oberdorla. Gut 200 Jahre ist die Marktmühle in Oberdorlas Bahnhofstraße alt. Noch vor zwei Jahrzehnten wurde dort Schrot gemahlen. (TA)

Etwa acht Jahre lang stand sie leer, war davor Wohnhaus und auch schon Objekt manch ambitionierter Überlegung, die dann aber schnell wieder fallengelassen wurde. Nun verwirklicht sich darin René Stephan. Der 33-Jährige ist gelernter Kartograph - und der "Braumeister" in der Probstmühle. Dort braut der Förderverein zum Eigenbedarf seiner Mitglieder - so am morgigen Donnerstag Bockbier.


Über das Brauen in der Probstmühle sei die Liebe zu diesem Handwerk entstanden, sagt der Oberdorlaer. Er lernte es näher kennen in der Brauerei in Saalfeld, an der Technischen Universität in München und wird Anfang des kommenden Jahres noch einen 14-tägigen Kurs zum Bier-Sommelier in der bayerischen Metropole absolvieren. Denn Ende 2015 möchte er in der Marktmühle seinen Brauereigasthof eröffnen. Gestern erhielt er - nach zwei Teilbaugenehmigungen - vom Landkreis seine "echte" vollständige Baugenehmigung.


 Eingerüstet ist die Marktmühle. In den nächsten Tagen sollen die Schieferplatten angebracht werden. Im Winter geht es an den Innenausbau. Eingerüstet ist die Marktmühle. In den nächsten Tagen sollen die Schieferplatten angebracht werden. Im Winter geht es an den Innenausbau.


Einiges ist bereits passiert in der Marktmühle, seitdem sie im Dezember 2011 von Familie Stephan ersteigert worden war. Das Dach wurde ausgebaut und neu gedeckt, ein Anbau errichtet, in dem die Brauanlage ihren Platz finden soll, die Fassade wurde gedämmt. Noch in diesem Jahr erhält sie neue Schieferplatten und neue Fenster. Den Winter, so sagte René Stephan, werde man für den Innenausbau nutzen. In den kommenden Monaten soll auch die markante Tür mit den Löwenköpfen, die noch aus den ersten Mühlen-Jahren stammt, aufgearbeitet werden.


Genaue Vorstellungen davon, wie der untere Teil der Fassade aussieht, hat der Vogteier: Lindgrün schwebt ihm vor - passend zum bereits entworfenen Logo und auch zum Nationalpark Hainich.
Stephan setzt auf den Tourismus. Wohl wissend, dass es in der Vogtei noch immer nur wenige Übernachtungsmöglichkeiten gibt. Nicht zuletzt deshalb wurde das Projekt des Jungunternehmers von der Thüringer Aufbaubank gefördert. In der Marktmühle werden elf Zimmer einer Pension entstehen - auch barrierefreie.


Erstes Bier wird im Herbst 2015 gebraut


Im Herbst 2015 will er das erste Mal in der Marktmühle Bier brauen. Auch wenn die Handwerker guter Dinge sind, schnell voranzukommen, wird es früher nichts werden. Die Lieferzeiten für die Brauanlagen haben sich verlängert. Pils, Weizen- und Märzenbier werde es das ganze Jahr über geben, dazu Spezialbiere. Kraftbiere, so weiß René Stephan, hätten eine wachsende Fangemeinde - vor allem unter den 30- bis 40-Jährigen.


Trotz allem Optimismus - ein Problem wird noch auf René Stephan beim Einrichten des Gasthofes zukommen: die Suche nach Fachkräften für Küche und Service. "Einen guten Koch zu finden, das wird wohl nicht einfach. Aber wer kreativ ist, der kann sich hier verwirklichen", sagt er. Die ersten Kontakte freilich sind bereits geknüpft.


Dass die Marktmühle in Konkurrenz steht zur Probstmühle, dem widerspricht Winfried Bötticher, der Bürgermeister der Landgemeinde Vogtei. "Das eine ist ein technisches Museum, das andere eine Gastlichkeit. Beide können voneinander profitieren", glaubt er. Sind die Arbeiten an der Marktmühle abgeschlossen, dann werden zwei der sieben Mühlen am Siebenmühlenbach öffentlich genutzt. Die anderen fünf - darunter die beiden in Niederdorla - sind in privatem Eigentum.


Claudia Bachmann / 05.11.14 / TA