Unternehmer zeigen großes Interesse am Bundeswehr-Gelände in Mühlhausen

Mühlhausen. Mühlhausen und die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) öffneten die Kasernentore für einen Rundgang. Etwa 50 Firmenvertreter informierten sich. (TA)

Andreas Krey ist ein wortgewandter Mann. Der Geschäftsführer der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) kann, wenn er will, sehr überzeugend sein. Und das muss er auch, schließlich ist seine Aufgabe keine einfache: Gemeinsam mit der Stadt Mühlhausen will er Firmenchefs aus Nah und Fern davon überzeugen, das verwaiste Bundeswehrgelände mit gewerblichem und industriellen Leben zu füllen.


Zwar versprach er beim Unternehmertag am vergangenen Freitagnachmittag, zu dem etwa 50 Firmenvertreter und zahlreiche Stadträte gekommen waren, um das Areal in Augenschein zu nehmen, nicht Kohls blühende Landschaften. Dazu ist der Konversionsprozess zu schwierig, die Verkehrsanbindung (noch) zu schlecht. Aber er zeichnete doch das Bild von einem Verkehrsschild "Industriestandort Görmar", das in einigen Jahren überall dort stehen soll, wo bislang noch die Fahrtrichtung zum Kasernengelände ausgewiesen ist.


Doch der Weg bis dahin ist, bei allem Optimismus, den Krey und Mühlhausens Oberbürgermeister Johannes Bruns bei ihren Ansprachen vor der Rundgang verbreiteten, ein langer und ein steiniger. "Wir werden die Standorte nicht in Summe 1:1 umnutzen können", sagt Krey, der mit seiner LEG schon oft vor der Aufgabe stand, ehemalige russische Kasernengelände einer gewerblichen Nutzung zuzuführen - was letztlich fast die leichtere Aufgabe sei: "Wenn alles marode und kaputt ist, dann haben sie es einfach, dann schieben sie einfach einen Bagger durch".


Doch auf dem Görmar-Gelände stehen Hallen und Gebäude in hervorragendem Zustand, rund 52 Millionen Euro wurden seit der Wende hier investiert - sie abzureißen wäre Irrsinn.
Auch wird es beim Konversionsprozess durchaus auch Verlierer geben. "Jedem alles recht zu machen, dass geht nicht", sagte Krey und nannte als Beispiel das Barbara-Heim, das zu Bundeswehr-Zeiten vom Karnevals-Verein Görmar genutzt werden konnte. Sollte es einen neuen Besitzer mit dann auch neuen Nutzungsplänen geben, wäre der Verein wohl auch dauerhaft außen vor.


Beim anschließenden Rundgang machten die Unternehmer aus der Region eifrig Handy-Fotos von den Hallen und Gebäuden, deren Nutzungsmöglichkeiten sich verändern, je weiter sie von der Wohnbebauung südlich der Sondershäuser Landstraße und westlich des Kasernengeländes entfernt liegen: vom eingeschränkten Gewerbegebiet mit erhöhten Lärmschutzbestimmungen über reguläre Gewerbeflächen bis hin zum Industriegebiet im Nordosten des Areals.


Unter den neugierigen Firmenchefs war auch Christian Salwik, Geschäftsführer des Unternehmens TH Parkner, dessen Firmengelände direkt im Nordwesten angrenzt und der sich für den kleinen Übungsplatz im Norden interessierte.


Ähnlich ging es Carsten Luhn, Geschäftsführer der Firma Werkzeug- und Maschinenbau Mühlhausen. Auch sein Firmengelände liegt mit einem Abstand von gerade einmal 50 Metern direkt im Osten des Geländes. Er interessiert sich für eine kleine Halle mit Krananlage, die in ein bis zwei Jahren Heimat für neue Maschinen werden könnte.


Mike Dockhorn, Geschäftsführer des Mühlhäuser Anlagenbauers Galek Kowald, sucht ein Gebäude, in dem er sowohl eine Werkstatt, als auch Lager und Büros unterbringen kann - und hat dabei ein Auge auf das Gebäude 206 geworfen: "Wir platzen aus allen Nähten und tragen uns deshalb mit Expansionsplänen. 206 würde passen."


Und auch die Privatlaborgruppe Agrolab mit Hauptsitz im bayerischen Bruckberg und einer Niederlassung in Oberdorla hat "Erweiterungspotenzial". Der Oberdorlaer Standortleiter Rüdiger Schönfeld schaut sich deshalb in Görmar um. Er lobt das Gelände, weist aber auch auf die Achillesferse hin, die Verkehrsanbindung. Der Dauerbrenner Ortsumgehung - auch hier das beherrschende Thema.


Felix Voigt / 27.10.14 / TA