Heichelheim statt Holland: Regionalität immer wichtiger

Thüringer Lebensmittel sind selbst vielen Thüringern nicht bekannt. Das will das Ernährungsnetzwerk aus 30 regionalen Firmen ändern, das sich zum ersten Branchengipfel auf der Wartburg traf. (TLZ)

Eisenach. Preisfrage: Nennen Sie einige bekannte Marken von Lebensmitteln, die in Thüringen produziert werden. Die Thüringer Bratwurst? Ist keine Marke, sondern ein Kulturgut. Dann aber der Nordhäuser Doppelkorn...


"Ich finde es traurig, wenn diese Frage nicht spontan beantwortet werden kann", sagt Cornelia Beau, Geschäftsführerin der Hainich Konserven GmbH in Niederdorla (Unstrut-Hainich-Kreis). Das liege unter anderem daran, dass es in Thüringen (mittlerweile) wenige altgewachsene Marken gebe. Um diesem Zustand Rechnung zu tragen und die hiesigen Produkte bei den Kunden bekannter zu machen, engagiert sich Beau als Vorstandsmitglied im Thüringer Ernährungsnetzwerk, das aus über 30 Firmen der Thüringer Ernährungswirtschaft besteht.


Dessen Mitglieder aus allen Ecken des Freistaats trafen sich gerade im Hotel auf der Wartburg, um den ersten Thüringer Ernährungsgipfel abzuhalten. Dort spielte vor allem das Thema "Regionalität" eine große Rolle, das in Vorträgen von praktischer und wissenschaftlicher Sicht beleuchtet wurde. Eine Ausstellung ließ den Gästen das Wasser im Mund zusammenlaufen: Es gab Erdbeerjoghurt von der Herzgut Landmolkerei in Rudolstadt, Vita-Brause von der Thüringer Waldquell GmbH in Schmalkalden, Apoldaer Bier, Eichsfelder Stracke, Mühlhäuser Pflaumenmus und all die anderen regionalen Spezialitäten aus Thüringen.


"Regionale Produkte können nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Gewährleistung des Verbrauchervertrauens in sichere und qualitativ hochwertige Lebensmittel leisten", sagt Matthias Gaida, Vorstandsvorsitzender des Ernährungsnetzwerks. "Sie stärken auch den Absatz der Ernährungswirtschaft."


Wichtig sei auch, den Konsumenten Transparenz zu vermitteln, ergänzt Cornelia Beau. Sie selbst führt Schulklassen durch ihren Betrieb, der für Gurken, Kraut, Obst und Brotaufstriche aus dem Glas bekannt ist. "Wir wollen den Besuchern zeigen, dass es sich nicht um anonyme Produkte handelt", sondern dass das Obst und Gemüse in der Region wächst und anschließend eine nachvollziehbare Produktionskette durchläuft, sagt Beau. Die Betonung der Regionalität sei auch angesichts des beschlossenen Mindestlohns - und damit einhergehenden höheren Preisen - wichtig. Vor größere Probleme habe das Gesetz die Mitglieder des Netzwerks aber bisher nicht gestellt, berichtet Vorstandsmitglied Rita Weimann, Chefin der Herzgut Landmolkerei.


Dafür gibt es derzeit ein anderes Problem: Der russische Importstopp für viele Lebensmittel aus der EU hat nach Angaben des Ernährungsnetzwerkes zu einem deutlichen Preisverfall beim Schweinefleisch geführt. Derzeit liege der Kilopreis für Schlachtfleisch bei 1,40 Euro, sagt Vorstandschef Matthias Gaida. Ein Jahr zuvor seien es noch bis zu 1,70 Euro gewesen.


Der Thüringer Ernährungsgipfel soll sich als jährliche Veranstaltung mit immer wieder aktuellen Themen etablieren.


Matthias Benkenstein / 10.10.14 / TLZ