Auf den Gemüsefeldern der Unstrut-Hainich-Region ist die Weißkohlernte angelaufen

Mühlhausen. Hainich-Konserven mit Rekordernte von 150 Tonnen pro Hektar. Alte Spezialität Häutchenkraut heute ein Nischenprodukt in Seebach (TA)

Erntezeiten riecht man. Zumindest die vom Weißkohl. Wer derzeit die Straße von Mühlhausen nach Oberdorla fährt, merkt, was gemeint ist. Auf rund 50 Hektar der Felder zwischen Mühlhausen und Oberdorla wächst Weißkohl. Noch bis Mitte November wird dort geerntet, und die Krautköpfe werden in die nahe Hainich Konserven-Fabrik gefahren. Dort wird das Weißkraut geschnitten, ins Fass gefüllt, Salz zugesetzt und "Deckel" drauf. Nach zehn Tagen ist das Sauerkraut fertig und kann in der Produktion in Gläser und Dosen gefüllt werden. Neun Riesenfässer, jedes fasst 100 Tonnen, hat das Unternehmen, ist von der Geschäftsführerin, Cornelia Beau, zu erfahren. Bei 100 Tonnen liegt auch etwa die optimale Tageskapazität für die Sauerkrautproduktion. Zum Schluss werden aus 100 Tonnen Weißkraut fast 70 Tonnen Sauerkraut. Aus etwa 10 Prozent des Sauerkrauts wird Schlachtekraut gemacht. Das heißt, es kommt gestückelte Kabanossi rein.


Der nasse Sommer hat guten Weißkohl wachsen lassen. 150 Tonnen lassen sich pro Hektar ernten. Eine Spitzenernte nennt das die Geschäftsführerin. Das Hainich-Sauerkraut wird vor allem in die USA, nach Namibia und Thailand exportiert. Vor allem dort, wo sich deutsche Siedler-Kolonien befinden.


Neben der Sauerkrautproduktion läuft im Moment bei Hainich-Konserven die Fertigung von Apfelmus auf Hochtouren. Fast 1000 Tonnen Äpfel verarbeitet das Unternehmen in Niederdorla mit seinen durchschnittlich 70 Beschäftigten jedes Jahr für diesen Zweck.


Ein kleines Feld für kleine Krautköpfe


Ebenfalls mitten in der Krautsaison steckt man derzeit im Unternehmen Schweizer Sauerkonserven in Großengottern. Auf rund 70 Hektar rings um Großengottern und Altengottern wird extra für die Krautproduktion Weiß- und Rotkohl angebaut. Dabei wird die Sauerkrautproduktion im Unternehmen am Wiesenweg als Wurzel angesehen, weshalb die aus dem Schwäbischen stammende Familie Schweizer 1992 nach Großengottern kam und dort einen Betrieb in einem der traditionsreichsten Gemüseanbaugebiete Deutschlands übernahm, wie der Seniorchef Otto Schweizer einmal selbst sagte.
Häutchen- oder auch Häuptchenkraut wird eine Spezialität genannt, die nicht nur in der Gotterschen Gemüsegegend, sondern auch dem Mühlhäuser noch bekannt sein dürfte. Nachforschungen im Internet sind zwecklos. Ganze drei Einträge finden sich dort, wo sonst Millionen Treffer angezeigt werden. Die Information dazu spärlich.


Besser man fragt Ingeborg Göring. Die Frau ist Chefin des landwirtschaftlichen Familienbetriebs Göring in Seebach. In den Regalen ihres Hofladens in der Wiesenstraße steht nämlich "Häutchenkraut". Dabei ist der Gemüseanbau eher Nischenproduktion in dem Unternehmen, das eigentlich hauptsächlich Getreide produziert.


"Früher hat jeder Haushalt Häutchenkraut gemacht. Dafür wurden Krautköpfe genommen, die noch mal ausgetrieben hatten. Heute wird dafür extra eine kleinwüchsige Sorte angebaut", weiß Ingeborg Göring.


Das Häutchenkraut wird in Salzlake und Dill eingelegt und soll gut drei Wochen durchziehen. Dann kommt es in Eimerchen verpackt ins Regal. Extra für Häutchenkraut haben Görings auf einem Hektar kleine Krautköpfe gepflanzt, wo nach Bedarf geerntet wird. Die Weißkohlernte, nur zu einem Drittel für den Eigenbedarf, muss jetzt noch warten. Erst kommt der Winterweizen ins Feld, dann wird der Kohl geerntet und eigenes Sauerkraut gemacht.


Frank Börner / 09.10.14 / TA