Noch viel Getreide rund um Mühlhausen auf dem Halm (TA)

Unstrut-Hainich-Kreis. Der Dauerregen bereitet den Landwirten zunehmend Sorgen, denn in verschiedenen Agrarbetrieben der Region Mühlhausen sind teils noch beträchtliche Flächen an Getreide auf dem Halm.

Vom Zeitlimit her bewege man sich zwar noch im Rahmen, aber die Niederschläge und das mitunter schon auswachsende Lagergetreide lassen die Qualität schwinden. Darauf verwies Josef Staufenbiel, der Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Luhnetal/Lengefeld, am Dienstag gegenüber unserer Zeitung. So müsse man im Luhnetal noch von 200 Hektar den Weizen dreschen. Die bisherigen Erträge würden "knapp über dem Durchschnitt" liegen und auch von der Qualität her sei man zufrieden. Die Ernte von Raps und Wintergerste sei in diesem Jahr gut und mit vernünftigen Erträgen über die Bühne gegangen. Auch die Strohernte sei wegen der Feuchtigkeit nur mit einem "unwahrscheinlichen Mehraufwand" zu bewältigen, sagte Josef Staufenbiel. Der Mais stehe wie nahezu überall natürlich sehr gut. Anschließend hoffe man auf einen goldenen September, um die Wintersaaten in den Boden zu bringen. Im vorigen Herbst hatte man in dieser Hinsicht viel ungünstige Bedingungen.  Die Flotte der Mähdrescher steht auf dem Betriebshof der Tupag Agrar in Niederdorla startklar. Er liegt nur am Wetter, um das letzte Korn unter Dach und Fach zu bringen.

Die in Seebach ansässige Agrargenossenschaft Großengottern hatte bis gestern noch knapp 30 Hektar Weizen stehen. Laut Vorstandschef Wolfgang Martin fällt die diesjährige Getreideernte "nicht schlecht" aus. Der Sommer habe den Bauern mit zu viel Niederschlägen natürlich allerhand Probleme bereitet. Regen bedeute zwar Wachstum auf der ganzen Linie, schränke andererseits Bearbeitung und Ernte ein. Niedrige Getreidepreise bringen weitere Verluste  Wolfgang Martin spricht als Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Unstrut-Hainich aber nicht nur für seinen eigenen Betrieb, wenn er die gegenwärtigen Getreidepreise und deren noch nicht absehbaren Folgen für die hiesigen Landwirte zu analysieren versucht. Denn die jetzigen Preise würden um 25 bis 30 Prozent unter denen des Vorjahres liegen. Das hänge mit der insgesamt guten Ernte in Deutschland, den Exporten und dem internationalen Agrarmarkt zusammen, so Martin.

Bei guten sommerlichen Bedingungen hätte die Tupag Agrar in Niederdorla in eineinhalb Druschtagen auch die letzten 300 Hektar Weizen vom Halm. Doch bei den derzeitigen Bedingungen wird sich die Ernte noch über insgesamt sieben Kalendertage hinziehen. Davon gehen Geschäftsführer Detlev Zimmermann und Produktionsleiter Stephan Foth aus. Sie verschafften sich am Dienstag beispielsweise auf einem Weizenschlag im Bereich Kastanienbaum nordöstlich des Gunzelhofs Oberdorla ein Bild von der gegenwärtigen Situation. Allerhand Sonne und Wind würde es brauchen, damit die Flächen ablüften und Mähdrescher in ein paar Tagen wieder auf die Felder könnten. Derzeit liege die Halm-Feuchte bei etwa 25 Prozent. Aber erst bei 18 Prozent sei ein Drusch wieder möglich, sagte Zimmermann. Und nasses Getreide müsse erst getrocknet werden. Wenn die Qualitätsparameter gehalten würden, könnte die Ernte auf der begutachteten Fläche noch Brotgetreide werden. Ansonsten gehe es als Futter weg. Mengenmäßig verzeichnen die Niederdorlaer bislang zwar auch eine sehr gute Ernte, aber die Qualität habe durch die langen Standzeiten gelitten. Das Regenwetter führe letztlich zu hohen Druschkosten. Und der Preisverfall auf dem Weltmarkt sorge für weitere Einbußen, befürchtet Foth.

Reiner Schmalzl / 27.08.14 / TA