Die Gemeinde Vogtei hat ein Wappen

Nach sechs Jahren Diskussion quer durch die Vogtei stimmte der Vogteier Gemeinderat am 13. August für den aktuellen Entwurf eines Vogteier Wappens. Bei 14 anwesenden Gemeinderäten gab es eine Enthaltung. Der Entwurf des Wappens wurde vom Thüringer Landesverwaltungsamt amtlich genehmigt.

Das Wappen der Gemeinde Vogtei

Heraldische Beschreibung des Wappens

Das Wappen ist durch Göpelschnitt in drei Felder geteilt. Ein Göpelschnitt entspricht einem stark stilisierten umgedrehten Ypsilons. Das untere Feld des Göpels ist beidseitig eingebogen.

Das in der Draufsicht linke obere Feld des Wappens zeigt mittig in Grün auf Silber ein dreiblättriges gestieltes Kleeblatt. Die Nebenblätter sind herzförmig, gleich groß und symmetrisch angeordnet. Das mittlere Nebenblatt zeigt gerade nach oben. Der Stiel ist in der Draufsicht nach links gebogen. Nebenblätter und Stil haben keine Kontur. Die Blätter und der Stiel stoßen nicht zusammen.

Das in der Draufsicht des neuen Wappens rechte obere Feld zeigt mittig einen achtfach von Rot und Silber quergestreiften Löwen in Blau. Der gezungte Löwe ist goldgekrönt und goldbewehrt mit Zähnen und Klauen als Waffen. Der Löwe ist in aufrechter oder steigender Stellung in der Draufsicht nach links gerichtet abgebildet.

Das untere Feld des Göpels zeigt mittig auf Gold einen Angertisch in Grün in der Seitenansicht.

Begründung und Erläuterung des Wappens

Ab dem 1. Januar 2013 bilden die drei Dörfer Langula, Niederdorla und Oberdorla die Gemeinde Vogtei. Ein dreiblättriges Kleeblatt wurde stets mit verschiedenen Hintergründen als Zeichen der Vogtei genutzt und ist allgemein bekannt und anerkannt. Von 1948 bis 1953 nutzte die Gemeinde Oberdorla ein Siegel, das vom Thüringischen Staatsarchiv Weimar positiv begutachtet worden war. Dieses historische Siegel zeigt ein aufrecht stehendes dreiblättriges Kleeblatt. Nach 1953 mussten alle Gemeinden und Städte in der DDR das Emblem “Hammer und Ährenkranz” zeigen, später kam der Zirkel hinzu.

Das Kleeblatt im neuen Wappen gestaltete Günter Baumgart, ein Maler und Grafiker, der aus der Vogtei stammt und seiner Heimat noch sehr verbunden ist. Das älteste vorhandene Siegel der Vogtei sind die Siegel der Gemeinden Langula und Oberdorla von 1755. Gefunden wurden diese Siegel von Michael Zeng im Kreisarchiv des Unstrut-Hainich-Kreises. Diese historischen Siegel wurden aus verschiedenen Gründen nicht als Vorbild für das neue Wappen genommen. Die Diskussion darüber dauerte von 2012 bis 2017.

Die Nebenblätter des Kleeblattes stoßen nicht zusammen, weil die drei Dörfer zwar die Vogtei bilden, aber ihre kulturelle Eigenart bewahrt haben und bewahren wollen. Der Stiel verdeutlicht die gemeinsame Wurzel.

Für ein dreiblättriges Kleeblatt gibt es ein Vorbild auf einem Denkmal von 1886 auf dem Oberdorlaer Anger zur Erinnerung an den hundertsten Jahrestag des gemeinsamen Gangs der drei Ortsvorsteher nach Wien. Sie wollten sich beim Kaiser beschweren über die Belastungen durch Kurmainz, Kursachsen und Hessen, die gemeinsam über die Vogteier herrschten. Diese Abbildung des Kleeblatts auf dem Denkmal erschien jedoch nicht geeignet für ein Siegel oder Wappen.

Der heraldisch bunte Thüringer Löwe steht für die Zugehörigkeit der Gemeinde Vogtei zum heutigen Freistaat Thüringen. Als Vorbild diente das Wappen des Wettiner Landgrafen von Thüringen Heinrich III. des Erlauchten von 1265. Über dessen Mutter Jutta von Thüringen und Vater Dietrich den Bedrängten wird die Verbindung von Thüringen und Sachsen widergespiegelt. Der Löwe im Wappen ist ebenfalls eine Verbindung zu Hessen. Die Wappenlöwen von Hessen und Thüringen gehen zurück auf das Wappenschild Konrads von Thüringen, gestorben 1240, der bis 1234 auch Regent der Landgrafschaft Hessen war.

Der Angertisch am Fuß des Wappens steht für den Stolz der drei Vogteier Dörfer auf ihre alten Traditionen. In allen drei Dörfern bilden Anger und Angertisch wichtige Plätze für das Dorfleben und dörfliche Feste, zum Beispiel zu Pfingsten oder zur gemeinsamen Vogteier Kirmes am Sonntag nach dem 14. September. Während dieser Feste wurden und werden zum Teil jahrhundertealte Traditionen weitergeführt.

Der Löwe zeigt die Verbindung der Vogtei mit Sachsen und Hessen. Diese Verbindung zieht sich jahrhundertelang durch die Vogteier Geschichte. Von 1333 bis 1803 gehörten Kursachsen und Hessen Anteile an den Steuern, Abgaben und Rechten in der Vogtei. Die dritte Macht im Bunde war Kurmainz. Die Dreiherrschaft ging als Ganerbschaft Treffurt in die Geschichte ein. Eine Ganerbschaft würden wir heute als Erbengemeinschaft bezeichnen. Neben der Vogtei gehörte die Stadt Treffurt und einige umliegende Dörfer zur Ganerbschaft Treffurt.

Fast genau 470 lang gehörte die Vogtei gleichzeitig zu Kurmainz, Kursachsen und Hessen. Die Herrscher von Kursachsen und Kurmainz waren Kurfürsten. Sie wählten, kürten, die deutschen Könige und Kaiser. Zu Kurmainz gehörte das Eichsfeld. Kursachsen ging von Osten her bis Kammerforst und Oppershausen. Beide Dörfer waren bis mindestens 1815 sächsisch.

Seit dem 10. Jahrhundert bilden die drei Vogtei-Dörfer eine Einheit. Zuerst als Mark Dorla dann als Vogtei Dorla und seit 1333 als Teil der Ganerbschaft Treffurt. Die drei Ganerben Kurmainz, Kursachsen und Hessen setzten jeweils Vögte ein als Vertreter am Ort. Durch diese drei Vögte wurden aus der Mark Dorla die „Vogtey Dorla“ oder die „vogteyischen Dörfer“.

Die Ganerbschaft Treffurt wurde im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses 1803 aufgelöst. Die Vogtei Dorla kam zu Preußen, zum Königreich Westfahlen und wieder zu Preußen und später zum Freistaat Thüringen. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es wieder ein Land Thüringen, das 1953 aufging in den DDR-Bezirken Erfurt, Gera und Suhl.

Während der DDR-Zeit bildete die Vogtei einen Gemeindeverband. Nach der deutschen Wiedervereinigung entstand eine Verwaltungsgemeinschaft der Vogtei-Gemeinden zusammen mit den Gemeinden Oppershausen und Kammerforst. Im Jahr 2013 schlossen sich die drei Vogtei-Dörfer zur Gemeinde Vogtei zusammen. Für Kammerforst und Oppershausen bildet die Gemeinde Vogtei die erfüllende Gemeinde.

Nun hat die Gemeinde Vogtei ein Wappen.

Michael Zeng